Eine Autistin unter euch.
 



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Ich habe relativ früh gemerkt: Ich bin anders, so wie ich bin, ist nicht okay.



Schule?
Das, wo Mitschüler einen bespucken, einem Toilettenwasser zu trinken geben, einen in Schränke sperren und dein Essen wegnehmen? Wo die Lehrer dich darauf aufmerksam machen, dass du mit deinem Verhalten selbst schuld bist und zudem komplett unorganisert? Wo du Volleybälle in die Fresse bekommst, dass dir deine Nase noch eine Woche später weh tut und du merkst, dass du als einziger Mensch immer noch nicht Seil springen kannst?

So wie ich sein ist da nicht okay.



Partys?
Wo es so schwierig ist, gleichzeitig zu verstehen, wie jede der einzelnen Personen funktioniert, wo man Streit bekommt, wenn man wahrheitsgemäße Antworten gibt, die falschen Fragen stellt oder in einer der anderen hundert Möglichkeiten etwas falsch zu machen, versagt? Wenn ich als Begleitperson eingeladen war, musste ich mich oft den ganzen Rückweg für meine Reaktionen entschuldigen und rechtfertigen.
Dabei fühlte ich mich schlecht genug, weil ich ja gemerkt hatte, dass ich wieder alles verkehrt gemacht habe.

So wie ich sein ist da nicht okay.



Beziehungen?
Das, wo einem andere Personen sagen: "Ruf mich an, wenn du wieder normal bist!" wenn sie einen besser kennengelernt haben. (Ich habe natürlich nie wieder angerufen.)
Dieses Minenfeld, wo falsche Bewegungen zu endlosen Vorwürfen führen? Wo man ganz viele Bedürfnisse nach Nähe erfüllen soll und bitte den ganzen neuen Freunden gegenüber super nett und angepasst erscheinen soll?

So wie ich sein ist da nicht okay.



Irgendwie habe ich gedacht, ich muss ja besonders dumm sein. Weil ich diese ganzen Sachen, die alle können, die für alle so einfach sind, nicht kann. Weil so viele Sachen so viel Stress für mich bedeuten, die für andere so einfach sind. Weil ich dann immer so erschöpft bin.
"Kannst du dich nicht einmal zusammen reißen und mit anderen klar kommen?"
Ich schwöre euch, ich habe mir jeden einzelnen Tag verdammte Mühe gegeben, nicht ich zu sein. Bedürfnisse und Erwartungen zu erfüllen, nicht zu viel von dem zu zeigen, was ich bin und was mich interessiert, weil das in endlose Erklärungen und "Freak!" Kommentare mündet. Ich bin ein Chamäleon geworden,dass sozial angepasst wirkt und euch so wenig wie möglich stört, damit ich meine Ruhe haben kann.



Und jetzt.....! Jetzt habe ich nach diesen ganzen Jahren, wo ich als getarntes Alien herum gelaufen bin, endlich erfahren, dass ich wirklich mein Möglichstes gegeben habe und dass das eine sehr große Leistung war. Ich habe mir nicht ausgesucht mit einem anderen Gehirn als andere geboren zu werden. Und genau deshalb kann ich den gleichen Respekt und die gleiche Rücksichtnahme von allen erwarten, die ich tagtäglich dem Rest der Welt entgegenbringe. Ich verstehe einige Sachen viel schneller als die meisten und andere dafür überhaupt nicht. Ich kann das gar nicht ändern und muss das auch gar nicht mehr versuchen,die Mühe, die ich mir gebe, ist vollkommen ausreichend. Denn es gibt ganz viele getarnte Aliens, die alle erleben, was ich erlebe und in den gleichen Punkten scheitern und erfolgreich sind. Wenn ihr damit nicht leben könnt, ladet mich nicht ein, sprecht nicht mit mir, geht keine Beziehung zu mir ein. Dann sind wir beide besser dran. Wenn du in meiner Situation wärst, wärst du vielleicht noch viel verzweifelter als ich gewesen, habt ihr daran mal gedacht, bevor ihr geurteilt habt?

Denn ich war von Anfang an okay.


Ich war immer anders, aber nie schlechter. Da habe ich jetzt verstanden.
5.6.17 17:37


Hallo.

Hallo,

ich habe seit rund zwei Wochen meine neue Diagnose.
Ich werde euch davon erzählen, wie es mir damit geht, was das mit mir macht und wie es früher war.

Ich bin Asperger Autistin.

Ich habe Gefühle und ich möchte Freunde haben, um kurz die gängigsten Fragen zu beantworten.
Und nein, ich lerne in meiner Freizeit nicht wikipedia auswendig, habe aber aber durchaus die sogenannten Spezialinteressen.

Im Moment stelle ich mir viele Fragen und bewerte viel, was in meinem Leben passiert ist neu.
Ich muss tierisch viel darüber nachdenken.

Manchmal fühle ich mich ganz, ganz einsam, weil ich weiß, dass mich immer etwas von den meisten "trennen" wird, dann aber froh, dass ich nicht mehr "schauspielern" muss und das Recht habe zu sein, wie ich bin und meine Sachen zu machen.

Im Nachhinein erklärt es Vieles und ich denke bei manchen Sachen: "Das lag einfach jenseits deiner Fähigkeiten, du konntest dich in der Situation nicht anders verhalten." Und dann bin ich froh, dass ich kein Idiot bin.

Sondern nur ein Autist.
29.5.17 18:25





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